Eine berufliche Rehabilitation hilft Menschen, nach einer Erkrankung oder einem einschneidenden Erlebnis wieder dauerhaft im Berufsleben Fuß zu fassen – von der Berufsfindung über eine Umschulung bis zur Vermittlung in Arbeit. Wie das konkret aussehen kann, zeigt die Geschichte von Marcus. Nach einem Überfall konnte er seinen alten Beruf nicht mehr ausüben. Mit einer Umschulung am Berufsförderungswerk Berlin-Brandenburg (BFW) und, wie er selbst sagt, „viel Dranbleiben“ gelang ihm mit 45 Jahren der Wechsel in einen neuen Beruf.
Was passiert, wenn der bisherige Beruf plötzlich nicht mehr geht?
Marcus war sein Leben lang sportlich aktiv, spielte Football und coacht bis heute im Nachwuchsbereich. Nach der Schule lernte er Kaufmann im Einzelhandel und blieb 20 Jahre in diesem Job. Dann kam ein Ereignis, das alles veränderte.
„Ich wurde Opfer eines Überfalls. Dieses Erlebnis hat mich vollkommen aus der Bahn geworfen. Ich war psychisch einfach nicht mehr in der Lage, meinen bisherigen Beruf auszuüben.“
Es folgte eine längere Phase der Arbeitslosigkeit. Um überhaupt weiterzukommen, nahm Marcus zunächst einen Job in der Reinigungsbranche an, erst über Zeitarbeit, dann fest angestellt. Zwei Jahre hielt er durch – „mehr schlecht als recht“, wie er selbst sagt –, bis ihn die alten Erlebnisse wieder einholten. Sein Körper zog die Notbremse. Er entschied sich, ein Jahr Pause zu nehmen und das Erlebte mit psychotherapeutischer Unterstützung aufzuarbeiten.
Wer hat Anspruch auf berufliche Rehabilitation und wie läuft die Antragstellung ab?
Als Marcus sich wieder stabil genug fühlte, stellte er sich eine einfache Frage: „Warum nicht das, was ich bereits gelernt habe, nutzen und in einer anderen Branche neu anfangen?“ Zusammen mit der Agentur für Arbeit entwickelte er einen Plan.
„Man erklärte mir, dass ich ein klassischer Fall für eine berufliche Rehabilitation sei, weil ich meinen bisherigen Beruf aufgrund meiner Erkrankung nicht mehr ausüben konnte. Die Agentur für Arbeit (öffnet in neuem Tab) leitete den Antrag auf Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben (LTA) (öffnet in neuem Tab) an die Deutsche Rentenversicherung weiter, da ich bereits mehr als 15 Jahre sozialversicherungspflichtig beschäftigt war.“
Anspruch auf berufliche Rehabilitation über LTA haben in der Regel Menschen, die ihren bisherigen Beruf aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr ausüben können und eine gewisse Zeit sozialversicherungspflichtig gearbeitet haben. Zuständig ist je nach Fall die Agentur für Arbeit, die Deutsche Rentenversicherung oder die Berufsgenossenschaft. Zu den Leistungen zählen unter anderem Berufsfindung, Arbeitserprobung, Umschulungen und begleitende Unterstützung – finanziert wird das über den jeweiligen Kostenträger, nicht privat.
Im Rahmen einer erweiterten Berufsfindung und Arbeitserprobung zeigte sich, dass Marcus gute Voraussetzungen für eine Umschulung zum Kaufmann für Büromanagement mitbrachte.

Die Umschulung am Berufsförderungswerk Berlin-Brandenburg
Marcus startete mit einem Reha-Vorbereitungslehrgang, der den Wiedereinstieg ins Lernen erleichtert, bevor die eigentliche Umschulung zum Kaufmann für Büromanagement begann.
„Besonders den WISO-Unterricht bei meiner Ausbilderin Frau Mazouti-Souayah werde ich nie vergessen. Sie hat den Unterricht mit viel Humor und anschaulichen Beispielen gestaltet. Ihre Präsentationen sind bis heute legendär – ich habe sie immer noch aufgehoben.“
Fachlich lief es gut. Entscheidend war für ihn aber etwas anderes: die Betreuung parallel zur Ausbildung.
„Die Ausbilderinnen und Ausbilder sowie die Psychologinnen und Psychologen hatten immer ein offenes Ohr. Kurz vor meiner ersten Prüfung habe ich diese Unterstützung aufgrund privater Belastungen ganz besonders gebraucht. Genau das macht für mich die berufliche Rehabilitation im BFW aus: Man wird nicht nur fachlich begleitet, sondern auch menschlich unterstützt.“
Auch beim Übergang in den Job blieb die Begleitung spürbar. Bei der Suche nach einem Praktikumsplatz hatte Marcus zunächst wegen seines Kleidungsstils Schwierigkeiten – das Berufsförderungswerk Berlin-Brandenburg half bei der Überarbeitung der Bewerbungsunterlagen und stellte einen Unternehmenskontakt her. Im Praktikum überzeugte er dann fachlich und bekam direkt nach der Umschulung ein Jobangebot.
Wo Marcus heute steht
Seit mehreren Jahren arbeitet Marcus als kaufmännischer Sachbearbeiter bei der GIG Technology & Real Estate GmbH (öffnet in neuem Tab). Mittlerweile übernimmt er auch Aufgaben in der Finanzbuchhaltung.
„Ich bin heute wirklich glücklich. Die Geschäftsführung begegnet mir mit großer Wertschätzung und erkennt mein Potenzial. Die Atmosphäre ist familiär, und viele Kolleginnen und Kollegen haben ebenfalls einen besonderen beruflichen Weg hinter sich. Das zeigt mir, dass Menschen, die eine zweite Chance suchen, hier willkommen sind.“
Sein Rat an alle, die vor einem ähnlichen Schritt stehen:
„Zweite Chancen kennen kein Alter. Ich war 45 Jahre alt, als ich mit meiner beruflichen Rehabilitation begann. Der Schlüssel zum Erfolg ist, dranzubleiben und den eigenen Willen zu zeigen – auch wenn nicht immer alles sofort gelingt.“
Kann eine berufliche Rehabilitation auch mit über 40 noch gelingen?
Ja. Marcus‘ Weg zeigt, dass Alter dabei keine Hürde sein muss, sondern die eigene Motivation und die passende Unterstützung entscheiden. Wer aus gesundheitlichen Gründen den bisherigen Beruf aufgeben muss, hat über LTA einen Weg zurück ins Arbeitsleben – mit Berufsfindung, Umschulung und Begleitung bis zur Jobvermittlung.
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