Depressionen und Arbeit

Depression und Arbeit: Früh erkennen, rechtzeitig handeln

Psychische Erkrankungen stehen an zweiter Stelle der Ursachen für krankheitsbedingte Fehltage am Arbeitsplatz und machten zuletzt 18,7 Prozent des gesamten Krankenstandes aus. Den Hauptgrund dafür bilden Depressionen: Sie verursachen über die Hälfte (55 Prozent) aller psychisch bedingten Ausfallzeiten (Quelle: DAK-Gesundheit Psychreport (öffnet in neuem Tab)).

Wenn die Psyche überlastet ist, fällt oft auch der Job plötzlich schwer: Die Konzentration lässt nach, Aufgaben dauern länger oder der Kontakt zu Kolleginnen und Kollegen wird anstrengend. Wer solche Veränderungen bei sich oder anderen bemerkt, sollte sie ernst nehmen. Je früher psychische Belastungen wahrgenommen werden und Unterstützung beginnt, desto eher kann einer Verschlechterung entgegengewirkt werden.

Grafik DAK-Gesundheit Psychreport

(Quelle: DAK-Gesundheit Psychreport (öffnet in neuem Tab))

Wie kann sich eine Depression auf die Arbeit auswirken?

Eine Depression kann die Arbeitsfähigkeit stark beeinträchtigen. Das zeigt sich auch in der Dauer der Erkrankungen: Mit durchschnittlich rund 34 Tagen führen psychische Erkrankungen zu besonders langen Ausfallzeiten im Betrieb. Betroffene fühlen sich oft kraftlos, haben Schwierigkeiten, sich zu konzentrieren, oder können weniger Motivation für ihre Aufgaben aufbringen. Auch der Austausch mit anderen fällt schwerer.

Im Arbeitsalltag fallen solche Veränderungen oft konkret auf:

  • Aufgaben werden langsamer erledigt oder bleiben ganz liegen.
  • Jemand zieht sich zunehmend aus dem Team zurück.
  • Die Person wirkt gereizter oder deutlich erschöpfter als sonst.
  • Anhaltende Niedergeschlagenheit zeigt sich im Arbeitsalltag.

(Quelle: DGUV – Wenn die Psyche Hilfe braucht (öffnet in neuem Tab))

Hinweis:
Solche Veränderungen bedeuten allerdings nicht automatisch, dass eine Depression vorliegt. Sie können auch andere Ursachen haben. Eine Diagnose kann nur durch eine entsprechende Fachkraft gestellt werden.

Depression und Arbeit: Was hat das miteinander zu tun?

Arbeit kann die psychische Gesundheit beeinflussen. Hohe Arbeitsbelastung, Zeitdruck oder wenig Entscheidungsspielraum können psychische Belastungen verstärken. Besondere Belastungen zeigen sich auch im Branchenvergleich: Im Gesundheitswesen liegen die Fehlzeiten wegen psychischer Erkrankungen beispielsweise besonders hoch. Gleichzeitig entstehen Depressionen nicht allein durch die Arbeit. Auch persönliche, soziale und genetische Faktoren spielen eine Rolle. Deshalb lässt sich nicht pauschal sagen, dass ein belastender Arbeitsplatz eine Depression verursacht. Entscheidend ist immer die individuelle Situation.

Was können Betroffene, Kollegium und Arbeitgeber tun?

Vielen Betroffenen fällt der offene Umgang mit Depressionen am Arbeitsplatz schwer, da psychische Erkrankungen gesellschaftlich noch immer mit Vorurteilen behaftet sind. Genau auf diese Entstigmatisierung machen auch gesellschaftliche Aktionen wie die bundesweite Woche der seelischen Gesundheit aufmerksam. Ein offenes und aufmerksames Umfeld im Betrieb kann helfen. Folgendes kann Orientierung geben:

  • Für Betroffene: Wer bei sich selbst Veränderungen bemerkt, sollte sich frühzeitig Hilfe holen. Erste Anlaufstellen sind die hausärztliche Praxis, betriebliche Ansprechpersonen oder psychologische Beratungsstellen.
  • Für Kolleginnen und Kollegen: Wer den Eindruck hat, dass es jemandem im Team nicht gut geht, kann das vorsichtig in einem ruhigen Moment ansprechen. Eine einfache, ehrliche Frage wie „Wie geht es dir eigentlich gerade?“ eröffnet oft schon den nötigen Raum.
  • Für Arbeitgeber: Unternehmen können eine geschützte Gesprächskultur etablieren, betriebliche Ansprechpersonen benennen und Informationsangebote schaffen. Entscheidend ist, Betroffene zu unterstützen, ohne sie unter Druck zu setzen.

Was, wenn der bisherige Beruf nicht mehr möglich ist?

Eine Depression bedeutet nicht das Ende des Berufslebens. Wenn die gesundheitliche Situation dazu führt, dass die bisherige Tätigkeit nicht mehr ausgeübt werden kann, eröffnen Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben (LTA) neue Wege.

Ein bewährter erster Schritt ist die Erweiterte Berufsfindung und Arbeitserprobung (EBA) für Menschen mit psychischen Einschränkungen am BFW Berlin-Brandenburg. In dieser sechswöchigen Maßnahme klären Teilnehmende ihre beruflichen Möglichkeiten unter fachlicher Begleitung. Dabei werden psychische Belastbarkeit, persönliche Interessen und individuelle Stärken ermittelt. Am Ende steht eine fundierte Empfehlung – sei es für die schrittweise Rückkehr, eine Umgestaltung des Arbeitsplatzes oder eine berufliche Neuorientierung bzw. Qualifizierung.

Engagiert für Aufklärung: Die Woche der seelischen Gesundheit

Die Woche der seelischen Gesundheit wurde 2006 ins Leben gerufen, um die Entstigmatisierung psychischer Erkrankungen voranzutreiben. Dieses Jahr finden unter dem Motto „Miteinander statt nebeneinander – für eine Gesellschaft, in der jede Psyche zählt“ zahlreiche Aktionen statt.

Auch unsere Tochtergesellschaft, die Proson gGmbH (öffnet in neuem Tab), beteiligt sich aktiv an der Initiative. Beim Tag der offenen Tür in Cottbus erhalten Interessierte vor Ort Einblicke in konkrete Beratungsangebote und erfahren, wie ein gelungener beruflicher Neustart nach einer psychischen Erkrankung aussehen kann.